Industriebauten: "Eine Shedhalle sorgt für Freiruum" - LG Zug

Industriebauten: „Eine Shedhalle sorgt für Freiruum“


Zeitzeugen auf dem LG-Areal: Teil 3/3

Bilder: Verein Industriepfad Lorze (Shedhallen im 1971, in „Die Fabrik in der Stadt“), leistungsfotografie.ch, Freiruum / Text: Falco Meyer

Damit genug Licht vorhanden war, durften die Shedhallen nur eingeschossig gebaut werden. Dadurch nahmen sie eine grosse Fläche ein.

Heinz Horat, Kunsthistoriker und ehem. Denkmalpfleger Kt. ZG

Es muss laut gewesen sein in den Shedhallen, als damals die schweren Maschinen liefen. Eine Shedhalle ist die Gebäudeform der Wahl, wenn es darum geht, viel Licht in eine sehr grosse, überdachte Fläche zu bringen. Die beiden Shedhallen, die damals auf dem Gelände der Landis&Gyr-Fabrik erbaut wurden, mussten eine immer weiterwachsende Produktion ermöglichen – dafür mussten möglichst viele Maschinen aufgestellt werden. Riesige Stanzmaschinen stanzten hier die Metallteile für verschiedene Apparate. In Automatendrehereien fertigten die Arbeiter aus Rohmaterial Teile für die Maschinen.

Alle diese Maschinen hatten eines gemeinsam: Sie waren sehr schwer. «Deshalb konnten sie nur im Erdgeschoss aufgestellt werden», sagt Heinz Horat. Der Kunsthistoriker und ehemalige Denkmalpfleger des Kantons Zug hat die Geschichte der Landis & Gyr gründlich untersucht, unter anderem bei der Arbeit für sein Buch «Die Fabrik in der Stadt». «Damit genug Licht vorhanden war, durften die Shedhallen nur eingeschossig gebaut werden. Dadurch nahmen sie eine grosse Fläche ein», sagt Horat.

Experiment mit vollem Erfolg

Eine grosse Fläche, die auch viele Qualitäten aufweist. Eine der beiden Shedhallen ist nicht mehr vorhanden – die Überbauung Opus nimmt heute ihren Platz ein. Die zweite grosse Halle beherbergt heute die beliebte Zwischennutzung «Freiruum». Sie soll auch in Zukunft ähnlich genutzt werden können wie heute, auch wenn sie dafür etwas kleiner werden soll. Im Zuge der geplanten Arealüberbauung soll auch der Industriecharakter ersichtlich bleiben. Der Architekt Christian Salewski und sein Team haben zusammen mit pool Architekten, Studio Vulkan Landschaftsarchitektur und mrs partner das Richtkonzept für das LG-Areal erarbeitet und dabei einen Schwerpunkt auf den Erhalt gewisser Gebäude gelegt, welche die Vergangenheit des Areals besonders spürbar machen.

Innenleben Shedhalle (2018), bevor der Freiruum sie mit Leben füllte

In dieser kurzen News-Reihe stellen wir einen Teil dieser Gebäue vor – etwa den alten Bahnhof (hier nachlesen) oder die Gebäude am Zählerweg (hier nachlesen). Was die Shedhalle am Zählerwerg anbelangt, war die Argumentation für deren Erhalt offenbar nicht ganz einfach. «Es war anfangs nicht klar, ob man eine solche Halle sinnvoll würde bespielen können», sagt Salewski. Die Eigentümerin, die Credit Suisse Funds AG, liess sich auf einen Versuch ein und lancierte nach einer Konzeptidee und in Zusammenarbeit mit der Advendis AG den «Freiruum» – mit grossem Erfolg. Von der Zwischennutzung zur etablierten Institution, beherbergt die Shedhalle heute einen Food Court, sie ist farbig und vielfältig bespielt und macht einen bedeutenden Teil der Belebung des Areals aus.

Freiruum, Opening August 2019

Viel Raum für neue Wege

Auch Horat empfindet das Experiment als eindrücklich. «Genau so stelle ich mir eine gelungene Umnutzung ehemaliger Industriearchitektur vor», sagt er. «Das ist nicht herausgeputzt, sondern lebendig, kreativ, es hat den Industriecharakter behalten können, aber ist frisch und neu belebt.» Da kommen Rohre aus der Decke, da gibt es noch Spuren von ehemaligen Arbeitsabläufen auf dem Boden wie Schriftzüge und Abdrücke schwerer Gerätschaften. «Das ist alles erkennbar», sagt Horat. Die Halle wurde mit wenigen Zwischenstützen erbaut, um möglichst viel Flexibilität in der Gestaltung der Arbeitsabläufe zu ermöglichen. «Das kommt einer neuen Nutzung nun zugute», so Horat. «Die Halle wirkt offen, es gibt viel Platz und freie Wege.»

Neue Wege sollen auch im Zuge der Neugestaltung des Areals erbaut werden. «Es wird einen neuen Durchgang vom Zählerweg zur Shedhalle geben», sagt Salewski, «die Halle wird noch besser zugänglich. Ob ein Teil der Halle als überdachte Aussenfläche zur Verfügung stehen wird, ist noch nicht klar – das könnte aber auch ein Weg sein, diesen Zeitzeugen öffentlich nutzbar zu machen, zum Beispiel als überdachten Marktplatz.»